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NORDMETALL-Jugendstudie: Bremens Jugend ist optimistisch, interessiert an Industriearbeitsplätzen und Führungsverantwortung

NORDMETALL legt in Zusammenarbeit mit der NORDAKADEMIE-Stiftung eine umfassende Jugendstudie für das Land Bremen vor.

Die Umfrage dokumentiert die Erwartungen junger Menschen kurz vor dem Abitur an Arbeit und Zukunft und stellt diese den Anforderungen von Unternehmerinnen und Unternehmern an potenzielle neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gegenüber. NORDMETALL und die NORDAKADEMIE führen diese Studie erstmals im Land Bremen durch, nach entsprechenden Erhebungen in Schleswig-Holstein (2022), Hamburg (2023) und Mecklenburg-Vorpommern (2024). 

In Bremen und Bremerhaven wurden von NORDMETALL nach Zustimmung der Senatorin für Kinder und Bildung knapp 700 Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen elf bis 13 befragt, die an fünf Gymnasien, fünf Oberschulen und einem Beruflichen Gymnasium unterrichtet werden. Unter den insgesamt elf Schulen sind in Bremen das Berufliche Gymnasium im Technischen Bildungszentrum Mitte, die Oberschule am Leibnizplatz, die Wilhelm-Olbers-Oberschule, die Gesamtschule Bremen-Ost, die Oberschule Rockwinkel, die Oberschule an der Egge, das Hermann-Böse-Gymnasium und das Gymnasium Vegesack, in Bremerhaven das Lloyd-Gymnasium sowie die Gymnasien im Schulzentrum Geschwister Scholl und im Schulzentrum Carl von Ossietzky. Ebenso beantworteten bis zum Sommer Geschäftsführungen, Personal- und Ausbildungsleitungen aus 44 Bremer und Bremerhavener Betrieben mit mehr als 54.000 Beschäftigten und Schwerpunkt in der Metall- und Elektroindustrie verschiedene Fragestellungen. 

Zentrale Ergebnisse der Bremer NORDMETALL-Jugendstudie sind unter anderem: 

  • Die befragten Jugendlichen ticken traditionell, was klassische Werte der Arbeitswelt angeht: Sorgfalt und Zuverlässigkeit (80 Prozent), Disziplin und Pünktlichkeit (76 Prozent), aber auch Kommunikationsfähigkeit (67 Prozent) halten sie für „sehr wichtige“ Eigenschaften im Berufsleben, ähnlich wie vor zwei Jahren Hamburgs Jugendliche. Demgegenüber halten Arbeitgeber im Land Bremen die Arbeitsmotivation (95 Prozent) und die Teamfähigkeit (68 Prozent) ihrer Beschäftigten für besonders wichtig.
     
  • Jugendliche im Land Bremen schätzen Mathematik (30 Prozent), Englisch (36 Prozent) und Deutsch (22 Prozent) als Schulfächer weit weniger als die Betriebe, von denen 86, 67 und 98 Prozent diese Fächer für wichtig oder sehr wichtig halten – insbesondere für das Fach Deutsch besteht hier ein eklatanter Bewertungsunterschied, wie er noch in keinem bisher untersuchten norddeutschen Bundesland deutlich wurde. 
     
  • Auch die betrieblich wichtigen Fächer Wirtschaftslehre, Physik und Informatik stießen bei den Schülerinnen und Schülern mit 14 Prozent, elf Prozent und sechs Prozent auf geringeres Interesse als in den Betrieben. Arbeitgeber messen ihnen mit 67, 44 beziehungsweise 54 Prozent eine wesentlich größere Bedeutung zu. 
     
  • Bei den betrieblichen Berufsfeldern stehen unter Jugendlichen vor allem Projektmanagement (42 Prozent), Forschung und Entwicklung (39 Prozent) sowie Marketing und Verkauf (34 Prozent) hoch im Kurs. Betriebe suchen hingegen besonders intensiv Personal für Reparatur und Instandsetzung (37 Prozent) oder Lagerarbeit (33 Prozent). 
     
  • Die meisten Jugendlichen im Lande Bremen wünschen sich vor allem eine gute Bezahlung (69 Prozent). Dahinter rangieren Spaß bei der Arbeit (63 Prozent), ein sicherer Arbeitsplatz (55 Prozent) und eine interessante sowie sinnvolle Tätigkeit (49 Prozent). Zugleich unterschätzen sie den Einstiegsverdienst in der M+E-Industrie nach der Berufsausbildung ausgesprochen stark um mehr als ein Drittel (mehr als 1.300,- Euro im Monat für Azubis und mehr als 74.000,- Euro pro Jahr im Durchschnitt). 
     
  • Bei Bewerbungen junger Menschen achten Betriebe vor allem auf die Noten in speziellen Fächern wie Mathematik, Deutsch und Englisch sowie auf Betriebspraktika und IT-Kenntnisse
     
  • Nach der Schule steht das Studium an einer Hochschule mit 40 Prozent der befragten Jugendlichen an erster Stelle. 20 Prozent wollen sich selbständig machen oder ein Auslandsjahr absolvieren. 23 Prozent bevorzugen ein duales Studium. Mit 50 Prozent ist die Gruppe der Unentschlossenen bezüglich eines dualen Studiums am größten. Die NORDAKADEMIE wird auch in enger Zusammenarbeit mit Unternehmen im Lande Bremen und mit NORDMETALL ihr Schulmarketing weiter verstärken, um Schülerinnen und Schülern noch früher und klarer die Vorzüge eines dualen Studiums an der norddeutschen Hochschule der Wirtschaft aufzuzeigen.
     
  • Schulpraktika (85 Prozent), die Familie (53 Prozent) sowie Social Media (44 Prozent) prägen die Berufsorientierung der Schülerinnen und Schüler in Bremen und Bremerhaven. NORDMETALL und die NORDAKADEMIE werden neue Kommunikationsformate erarbeiten, um Betriebspraktika bekannter und interessanter zu machen, die Beratungskompetenz der Eltern zu erhöhen und das Wissen über die Berufswelt insbesondere der M+E-Industrie zu stärken. 
     
  • Während 43 Prozent der Jugendlichen im Lande Bremen die Berufsorientierung an ihren Schulen als gut oder sehr gut bezeichnen und 23 Prozent als mangelhaft oder ausreichend, bewerten die bremischen Arbeitgeber diese Schulangebote zu null Prozent als sehr gut, zu 26 Prozent als gut und zu 28 Prozent als mangelhaft oder ausreichend. 
     
  • Jugendliche im Lande Bremen sind flexibel und passen sich dem Bedarf der Betriebe an, wenn es um mobiles Arbeiten oder bezahlte Überstunden geht. Jungen bevorzugen einen Job in Vollzeit (76 Prozent), Mädchen nur zu 53 Prozent, 39 Prozent von ihnen möchten nach Bedarf zwischen Voll- und Teilzeit wechseln können. 49 Prozent der befragten Abiturientinnen und Abiturienten strebt eine Führungsposition an (in Hamburg 55 Prozent), darunter 55 Prozent der Jungen, nur 43 Prozent der Mädchen). Jungen zeigen sich insgesamt zuversichtlicher als Mädchen, ebenso Schülerinnen und Schüler, die in Zukunft Führungsverantwortung anstreben. 
     
  • 14 Prozent der Bremer und Bremerhavener Jugendlichen würden in der M+E-Industrie arbeiten wollen, 41 Prozent könnten sich das „vielleicht“ vorstellen, mehr als in Hamburg oder Mecklenburg-Vorpommern. Die bremischen Jugendlichen wollen heimatnah arbeiten und bevorzugen eher europäische als süddeutsche Arbeits- und Lebensstandorte. 

 

Thomas Küll, Mitglied der Geschäftsleitung, bei NORDMETALL: 

„Unsere Studie liefert einige interessante Erkenntnisse:  

  • Praktika bleiben ein sehr wichtiger Schlüsselfür den Berufseinstieg. In Kombination mit einer unternehmensnahen Berufsorientierung, die am besten in Kooperation mit Betriebspraktikern gestaltet wird, wird die Nachwuchsgewinnung am Standort Bremen und Bremerhaven gestärkt. 
  • Eltern sind ein wichtiger Kompass für ihre Kinder. Daher sollten sie möglichst aktiv in den Berufsorientierungsprozess eingebunden werden. 
  • Da unser Umfeld durch die Digitalisierung zunehmend komplexer und schneller wird, werden Kompetenzen im Umgang mit der Informationstechnologie für unsere Mitgliedsunternehmen immer wichtiger. Schulische Inhalte dieser Art sollten daher fächerübergreifend behandelt und deutlich gestärkt werden. Bremen sollte nach dem Vorbild anderer Bundesländer die Einführung des Faches Informatik erwägen. 
  • Das duale Studium ist junge Menschen in Bremen und Bremerhaven offensichtlich eine sehr interessante Perspektive. 
  • In der Metall- und Elektroindustrie können wir mit einer überdurchschnittlich guten Bezahlung und sowie attraktiven Entwicklungsmöglichkeiten punkten, die über den Erwartungen der Schülerinnen und Schüler liegen. 
  • Jungen Menschen ist die Möglichkeit des mobilen Arbeitens wichtig. In unseren Be-trieben ist das in den meisten Fällen möglich. 
  • Fast 90Prozent der Jugendlichen schauen positiv in die Zukunft. Fast die Hälfte möchte Führungskraft werden und ist motiviert, sich im Berufsleben zu engagieren – das sind gute Nachrichten für Bremen und seine Industrie.“ 


Prof. Dr. Stefan Wiedmann, Präsident und Vorstand NORDAKADEMIE, Vorsitzender NORDAKADEMIE-Stiftung:

„Die Wirtschaft in Bremen trifft aktuell auf eine Nachwuchsgeneration, die dem Arbeitsleben mit großem Gestaltungswillen und hoher Zukunftsorientierung begegnet. Besonders in den Bereichen IT und Technik – den zentralen Wachstumsfeldern mit dem größten Fachkräftebedarf – bringt die NORDAKADEMIE ihre besonderen Stärken ein. Als norddeutsche Stiftung und Hochschule der Wirtschaft mit enger Vernetzung zu Unternehmen in Bremen verstehen wir uns als Brücke zwischen Theorie und Praxis. Es ist unser Anspruch, junge Menschen frühzeitig für diese Berufsbilder und die zugrunde liegenden naturwissenschaftlich-technischen Disziplinen zu begeistern. Wir qualifizieren Nachwuchstalente gezielt für genau die Tätigkeitsfelder, die in der regionalen Wirtschaft besonders gefragt sind. Durch den kontinuierlichen Austausch mit über 300 Partnerunternehmen in Norddeutschland erkennen wir frühzeitig, wie sich Berufsbilder und Kompetenzanforderungen verändern. Dieses Wissen fließt unmittelbar in die inhaltliche Weiterentwicklung unserer dualen Bachelorstudiengänge und berufsbegleitenden Masterprogramme ein. So stellen wir sicher, dass unsere Absolventinnen und Absolventen nicht nur fachlich exzellent ausgebildet sind, sondern vom ersten Tag an wirksam in der Unternehmenspraxis mitgestalten können.“
 

Weitere Details der Studie finden Sie hier.